Eine Woche aus dem Leben einer Berufskraftfahrerin
Montag, 12.3.2001 – 3.30 Uhr
Der Wecker klingelt erbarmungslos und beendet somit das eigentlich viel zu kurze Wochenende.
Während ich meinen Kaffee trinke, bummeln meine Gedanken so durch die vergangenen zwei Tage. Durch das Frühlingswetter animiert, haben wir uns dazu verleiten lassen, unsere Dachterrasse zu entrümpeln. Den liegengebliebenen Weihnachtsbaum vom letzten Jahr zu entfernen, die Blumenkästen von den alten Silvesterknallern zu befreien, die Rosen abzudecken – und siehe da, zum Vorschein kamen tatsächlich schon die ersten Schneeglöckchen und Krokusse!
Genug der Träumerei, es ist 4.30 Uhr und es wird Zeit, mich auf den Weg zur Firma zu begeben. Eine halbe Stunde Fahrt, Minuten, in denen ich den Tag in groben Zügen planen kann.
Kurz nach Fünf rolle ich mit meinem 40-Tonner-Sattelzug vom Hof. Mein erstes Ziel heute, ist ein Baustoffmarkt in Bremen. Um diese Zeit lässt sich die A1 noch einigermaßen fahren. Bis 6 Uhr dürfen LKW dort noch überholen. Es dauert nicht lange und jeder hat irgendwie sein Plätzchen und seine Reisegeschwindigkeit gefunden. Die Fahrt ist kurzweilig, über Funk werden Witze gerissen, alle scheinen recht aufgeräumt zu sein.
8. Uhr in Bremen. Um an die Firma zu kommen, muss ich auf einer kleinen Kreuzung wenden. Ich brauche Platz und bin auf die Rücksicht anderer Verkehrsteilnehmer angewiesen. Viele PKW-Fahrer reagieren mit Unverständnis. Sie wissen es nicht besser!
Ich entlade 21 Paletten Fugen-Mörtel. Ziemlich schweres Zeug, das ich mit einem Hubwagen durch den Auflieger ziehen muss. Ein Kasten-Auflieger lässt sich eben nur von hinten öffnen. Aber ich bin es gewöhnt, Muskelkater kenne ich gar nicht mehr. Nach einem netten Schwätzchen mit dem Lager-Chef (wir sind inzwischen schon alte Bekannte) geht es weiter nach Bremerhaven.
Ein kleines Fliesen-Fachgeschäft bekommt von mir 11 Paletten Spezial-Kleber. Dort muss auf der Hauptstraße entladen werden und ich stoße auf ein Problem! Die Straße vor dem Geschäft ist mit PKW zugeparkt worden. Es dauert eine halbe Stunde, ehe alle Fahrzeugführer gefunden sind. Nach dem Entladen gibt es Ärger! Man will mir vergammelte Tausch-Paletten andrehen. Sie haben im Freien gestanden und sind vor Nässe völlig verquollen. So etwas kann ich nicht annehmen, unser Auftraggeber verlangt einwandfreies Verpackungsmaterial zurück! Schließlich können wir uns auf einen Schuldschein einigen.
Bei meinem Disponenten melde ich mich frei und bekomme den Auftrag, in der Nähe von Oldenburg einen Zug Milchpulver zu laden.
Um Zeit und Weg zu sparen, benutze ich die Fähre über die Weser. Letztes Jahr hatte ich einmal auf dieser Strecke meinen Sohn mit. Er war begeistert. Wir hatten das größte Auto auf diesem kleinen Schiff und er war so stolz, dass seine Mutti es so gut rangieren konnte.
Im Milchwerk treffe ich die tollsten Stapler-Fahrer aller Zeiten! Kleine verhutzelte Männchen mit weißen Häubchen auf drei Haaren. Sie versuchen mich immer mit ihrem Können zu beeindrucken. Dabei übertreffen sie sich gegenseitig. Ein regelrechter Balztanz! Schöner werden sie dadurch nicht, aber mit ihren Staplern können sie wirklich umgehen – das muss ich zugeben.
So, beladen. Nun noch die Papiere holen und den Wagen verplomben lassen. Die Lieferung geht zu Ferrero Stadtallendorf. Dort gibt es strenge Qualitätsvorschriften.
Vollzugsmeldung bei meiner Spedition. Vom Chef erfahre ich, dass ich selbst in Stadtallendorf anliefere und deshalb den Wagen mit nach Hause nehmen kann. Das freut mich aber, so spare ich mir den Weg von und zur Firma. Hinter unserer Wohnsiedlung liegt gleich ein Industriegebiet. Kein Problem also, den Wagen abzustellen.
Die viertel Stunde Fußweg will ich genießen. Es wird tatsächlich Frühling – die Bauern düngen kräftig, bemerke ich und schon rutsche ich auf Sch... aus! Verdammt, das hat weh getan! Mein Korb ist ausgekippt und ich taste im Dunkeln und unter Fluchen nach meinen Utensilien. Na hoffentlich habe ich alles! Wenn das kein Glück bringt!
Zu Hause lasse ich mich etwas bedauern und hinter vorgehaltenen Händen auslachen. Ich tue so, als bemerke ich es nicht. Sollen die Männer doch ihren Spaß haben. Duschen, Brote vorbereiten, Abendessen und ganz schnell schlafen. In 5 Stunden ist die nacht vorbei.
Dienstag, 13.3.2001 – 1.00 Uhr
Das ist nicht wirklich der Wecker für mich?!
Ich quäle mich aus dem Bett. Mein gestriger Sturz hat einen faustgroßen Bluterguss auf meiner Hüfte hinterlassen. Zum Glück nichts gebrochen! Mit viel Wasser ins Gesicht und Kaffee, wach werden! Mein Blutdruck braucht morgens so seine Zeit, um auf Touren zu kommen. Hoffentlich steht mein LKW noch unversehrt.
Gegen 2 Uhr wecke ich meinen Schatz. Er will mich hinfahren. Es gefällt ihm nicht, wenn ich nachts allein durch menschenleere Straßen laufe. Im Gegensatz zu mir, ist er sofort hellwach und gutgelaunt.
Mein MAN steht noch! Eine gründliche Abfahrkontrolle ist natürlich unerlässlich, wenn der Wagen so unbeaufsichtigt in der Öffentlichkeit abgestellt wird. Es könnte ja jemand aus Blödsinn die Sattelkupplung gelöst haben und ich würde den Auflieger unterwegs verlieren.
Ist tatsächlich schon vorgekommen!
A31, A2, dann auf die A45 Richtung Frankfurt. Die Autobahn hat tiefe Spurrillen. D.h. konzentriert fahren, bin mit 40 t voll ausgeladen. Es fängt an zu regnen. Die Scheibenwischer geben ein gleichmäßiges monotones Geräusch von sich. Das wirkt einschläfernd. Ich schalte das Funkgerät ein. Mal hören, was man sich so unter Kollegen erzählt. Aber heute scheint keiner so richtig Lust auf ein Gespräch zu haben. Der Regen hat auf alle die gleiche Wirkung.
Also bleibt das Radio. Ich hüpfe von Sender zu Sender. Mal laut und schrill, mal deutsche Schlager – nur um mich über doofe Texte aufregen zu können. Die englischen verstehe ich ja, wahrscheinlich zum Glück!
Irgendwie werden die Fahrgeräusche immer lauter! Haben wir denn so starken Wind? Nein, haben wir nicht. Ich fahre einen Berg hoch und meine, mir fliegt der Motor um die Ohren. Das wird mir aber unheimlich! Der nächste Parkplatz ist meine. Mein schlechtes Gewissen meldet sich. Hab schon ein paar Tage den Ölstand nicht kontrolliert, weil ich meine, den Wagen im Verbrauch zu kennen. Ist nicht in Ordnung diese Haltung, ich weiß! Nein Ölstand ok. Ich fahre weiter, horche und beobachte...Bergab, wenn der Motor sich nicht anstrengen muss, hält sich die Lautstärke in Grenzen. Alle Anzeigen sind im grünen Bereich. Ich krame in meinen Wissens-Schubfächern. Na klar! Der Auspuff hat sich verabschiedet. Mein LKW hört sich an, wie ein Panzer, aber kein grund, den Chef aus dem Bett zu schmeißen. Kann erst mal weiter fahren.
6 Uhr bin ich in Stadtallendorf. Ich darf bei Ferrero sofort an ein Tor fahren. Mist, noch dunkel, da sehe ich so schlecht. Aber es hat geklappt. Wenn ich 3 Züge zum Rangieren benötige, fühle ich mich schon schlecht in Form. Mit der nötigen Ruhe und Umsicht schaffe ich das in einem Rutsch. Meistens hat man ja noch genügend Zuschauer und ich werde besonders beobachtet, weil eine Frau ja so etwas eigentlich gar nicht kann. Natürlich ist es dann eine große Befriedigung, die Ideallinie gefunden zu haben.
Ich bekomme im Werk sofort Rückladung, d.h. ich soll sie bekommen! Ferrero hat ein Problem mit dem Band. Stunde um Stunde vergeht, bis ich endlich 32 Paletten Überraschungs-Eier für Bottrop geladen habe. Die sollen heute noch bis 16 Uhr geliefert werden! Eigentlich ist das gar nicht zu schaffen. Mein Disponent ist sichtlich nervös. Seine Planung geht daneben, wenn ich heute nicht mehr leer werde!
Ich gebe Gas! Die Ladung wiegt nur 7 Tonnen, so kann ich (knatternd) an allen vorbei ziehen. Trotzdem komme ich erst nach 16 Uhr in Bottrop an. Ein Stau in Dortmund hat meinen Zeitgewinn zunichte gemacht. Mit Überredungskunst und wahrscheinlich, weil ich eine Frau bin (so was gibt es noch selten genug), habe ich die Mitarbeiter dort, dazu bewegen können, für mich das Lager noch einmal zu öffnen. Das schätzt mein Chef sehr an mir. Irgendwie kriege ich es immer wieder hin!
Mein Auspuff ist tatsächlich abgerissen. Morgen bekomme ich einen Ersatzwagen.
18.30 Uhr bin ich zu Hause und froh, dass meine beiden Männer schon das Abendessen und die Brote für den nächsten Tag gemacht haben. Im Schnelldurchlauf erzähle ich meine kleinen Katastrophen vom Tag
Mittwoch, 14.3.2001 – 3.30 Uhr
Noch eine Takt müder, fahre ich mit Milchpulver nach Norderstedt. Der Wagen ist von einem Kollegen vorgeladen worden – also wieder eine gründliche Kontrolle vor Abfahrt. Verlassen sollte man sich immer nur auf sich selbst!
4 Stunden nach Hamburg und dann noch eine halbe. Verdammt bin ich müde! Wenn Kaffee und Musik nicht mehr helfen wollen, gebe ich klein bei und stelle mich auf einen Parkplatz. 15 Minuten den Sitz herunter geklappt, Füße auf das Lenkrad und Augen zu. Danach bin ich hellwach. Erstaunlich, wie das funktioniert!
Hamburg fasziniert mich immer wieder. Die Autobahnen hell erleuchtet, ein Lichtermeer rund um den Tunnel. Im Tunnel selbst, Radio- und Telefon-Empfang. Das riesige Hafengebiet mit seinem regen Treiben. Es gibt Fahrzeuge, die sehen regelrecht utopisch aus! Letztens habe ich im Radio gehört, dass man den Michel mit einem Hochhaus zugebaut hat. Jetzt habe ich es gesehen. Ich kann die Empörung der Hamburger verstehen. Wie kann man sich in der Architektur nur so vergreifen?
Bei Van Houten setze ich den Wagen an die Rampe und genieße eine Stunde Pause. Um die Entladung kümmern sich die Kollegen dort. So etwas ist selten.
Rückladung bekomme ich bei Melitta in Bremen. Für 500.000 DM Kaffee – Anlieferung noch heute in Gronau. Der enge Hof ist zwar für jeden Anfänger eine Krankheit, aber wer ist hier schon Anfänger! Es ist eine Herausforderung, den 16,5 m langen Zug auf den Zentimeter zu rangieren. Auch hier alte Bekannte, wo mancher Scherz gemacht wird.
Die Rückfahrt klappt prima, zeitig in Gronau entladen und tatsächlich schon 16 Uhr Feierabend. Ich nehme mir Zeit, meine Lieben zu Hause zu verwöhnen und wieder mal etwas Leckeres zu kochen. Entspannte Gespräche.
Donnerstag, 15.3.2001 – 7.00 Uhr
Heute Morgen muss ich den Auflieger auf dem Hof wechseln. Mein Kühler bleibt stehen und ich sattle einen Tautliner auf. Feine Sache dieser Auflieger und von allen begehrt. Dadurch, dass die Plane wie eine Gardine aufgezogen werden kann, ist es ein leichtes Arbeiten, ohne körperliche Anstrengung. Eigentlich was für Frauen, aber irgendwelche Vergünstigungen gibt es hier nicht!!!
Ich fahre eine Ladung Tapeten-Zubehör nach Nordwalde. Liegt gleich um die Ecke – scheint ein ruhiger Tag zu werden... bis der Anruf vom Disponenten kommt! Ein Kollege ist krank geworden. Seine Ladung Milchpulver für Norderstedt steht noch auf dem Hof. 6.00 Uhr hatte er Termin. Ich soll in Ruhe entladen und absatteln. Der Auflieger mit Milchpulver wird mir unterdessen gebracht, aufsatteln und nach Norderstedt fahren. Na prima, das kann doch nur ein verkorkster Tag werden! Es ist schließlich schon 10 Uhr. So spät noch durch den Elbtunnel – da stelle ich mich hinten an. Als ich den Auflieger sah, sank meine Laune in den Keller! Die älteste Kiste vom Hof. Plane, schwere verklemmte Bracken und Rungen. Das kann nur in Quälerei ausarten!
Wie geahnt, Stau, Stau, Stau. Jetzt brauche ich unbedingt eine Aufmunterung! Da fällt mir doch meine Freundin Christine ein. Sie wohnt doch da oben. Ein kurzes Telefonat und wir sind zu einen zünftigen LKW-Frühstück verabredet. Die eine Stunde Wartezeit habe ich mir so versüßt und mir geht es besser.
Eine Rückladung soll, laut Disponent bei einer Spedition in Hamburg bekommen. 204 Monitore für das Aldi-Lager in Bad Laasphe. Inzwischen herrscht dickster Feierabendverkehr in Hamburg. Die Autobahn nebst Tunnel dicht und so entschließe ich mich, quer durch die Stadt zu fahren, ganz langsam, von Ampel zu Ampel. Vorbei an der Neuen Flora, wo ich letztes Jahr Das Phantom der Oper gesehen habe. War ein tolles Erlebnis! In meinen Erinnerungen kann ich leider nicht lange schwelgen, der Spediteur nervt mich mit seinen Anrufen! Wo ich denn bliebe, er wolle Feierabend machen! Irgendwann sagt er doch zu mir, ich solle endlich zugeben, dass ich mich verfahren hätte, er würde mir helfen! Da platzt mir doch gleich der Kragen! Gerade er, als Hamburger müsste doch die Verkehrssituation kennen. Als ich ihm eine Wegbeschreibung liefern kann, beruhigt er sich endlich. Mein Disponent spricht mir gut zu, ich solle die Ruhe behalten. Es dauert eben so lange, wie es dauert. Woher diese Freundlichkeit? Das lässt mich hellhörig werden!
Endlich stehe ich vor besagter Adresse. Ja, ich stehe – denn in den Hof kann ich nicht einfahren. Ein Unfall, genau vor der Einfahrt blockiert alles. 2 Stunden geht nichts rein noch raus. Diese zeit nutze ich, mir Luft zu verschaffen und dem Spediteur meine Meinung zu sagen. Einer von den Typen, die eine Frau für zu blöd zu allem halten.
Gegen 20 Uhr habe ich die Ladung drauf und nur noch einen Wunsch, rauf auf die Autobahn und weg aus dieser Wahnsinns-Stadt! Nach Hause schaffe ich es sowieso nicht mehr. Meine Lenkzeit reicht nur noch 2 Stunden. Die will ich noch nutzen und dann einen Rastplatz ansteuern. Ein liebes Telefonat mit zu Hause baut wieder auf.
Gerade auf der A1 ein paar km gefahren und alles steht still! Eine Stunde Vollsperrung. Man muss auch ausgerechnet jetzt eine Bombe finden! Mir bleibt aber heute auch nichts erspart. Über Funk hört man inzwischen völlig entnervte Fahrer, was dann allerdings in eine völlige Blödelei ausartet. Das entspannt die Situation und am Ende finden es alle irgendwie lustig, was sowieso nicht zu ändern ist.
Als schon keiner mehr daran glaubt, geht es tatsächlich weiter. Die Gespräche verstummen schlagartig. Meine Füße fühlen sich mittlerweile wie große dicke Klumpen an, vom vielen Kuppeln und Bremsen. So schnell wie möglich einen Stellplatz finden. Parkplatz um Parkplatz, Rastplätze und Autohöfe entlang der A1 fahre ich an. Keine Chance! Nicht mal ein Fahrrad hätte da noch Platz. Ich überschreite gnadenlos meine Lenkzeit – ist verboten – aber was tun? Es ist ein riesiges Problem und allgemein bekannt.
Gegen 23.30 Uhr finde ich endlich ein Plätzchen für mich, zwar im Parkverbot, aber was soll`s? Motor aus, Gardinen zu und die summenden Glieder lang gemacht. Nur noch schlafen!
Der Fernseher bleibt heute aus. Mit leisen Zweifeln, ob das wohl ein Traum-Job ist, schlummere ich ein.
Freitag, 16.3.2001 – 10.00 Uhr
Ah, ausgeschlafen und es ist so angenehm hell! Erst einmal duschen, frühstücken und dann in aller Ruhe nach Bad Laasphe.
Angenehm, so ausgeruht zu fahren.
Ab Siegen fahre ich eine Stunde Bundesstraße. Herrlich, die Serpentinen durch diese wunderschöne Gegend. Ich weiß wieder: auch darum liebe ich meinen Beruf!
In Bad Laasphe schneit es. In Hamburg Frühlingssonne, in Bremen Regen, hier Schnee und ich wieder das falsche Haarspray! Kicher, kicher!
Du lieber Gott, was ist denn das? Hatten alle LKW nur dieses eine Ziel? Etwa 30 Stück vor mir. Tatsächlich treffe ich einige Kollegen wieder, die mit mir schon in Hamburg standen. Ein Schiff aus Japan hatte Unterhaltungselektronik an Bord. Fernseher, Videogeräte, Musikanlagen und Monitore. Hat Bad Laasphe soviel Nachholbedarf?
Mein Disponent ist nicht gerade begeistert über die lange Wartezeit. Für mich aber die Gelegenheit, den Wagen innen zu reinigen und Zeit für ein paar Gespräche unter Kollegen. Was sind doch manchmal für Spinner dabei! Will mir doch einer erzählen, er würde 10.000 km in der Woche fahren. Vielleicht mit dem Finger über die Landkarte!
Es ist schon später Nachmittag, als ich mich leer melde. Ich glaube es nicht, aber ich bekomme tatsächlich noch Rückladung in Jülich. Das liegt ja kurz vor Aachen und dazwischen Köln mit seinem Freitag-Feierabend-Verkehr! Wird ein langer Tag werden.
20.00 Uhr verlasse ich endlich die A4 in Richtung Jülich. Ich komme durch Inden. Dieser Ort erinnert mich immer an eine Kulissen-Stadt. Enge Straßen, die unterschiedlichen Hausfassaden dicht zusammengedrängt und Fußwege gibt es dort... das können nur Attrappen sein! Da kann doch kein Mensch laufen, mit einem Kinderwagen gar keine Chance. Komischerweise habe ich dort auch noch nie einen Menschen gesehen. Alles sehr geheimnisvoll!
Im Wellpappe-Werk bekomme ich 28 Paletten Verpackungsmaterial für Recklinghausen. Noch einmal die Plane hoch auf das 4m Dach, die schweren Bracken auf, wo ich kaum an die Verriegelung komme, einmal noch, das letzte mal für diese Woche!
Die Rückfahrt verläuft sehr zügig. Die Ladung ist leicht, der Verkehr hat sich gelichtet. Ich freue mich auf meine Familie. Sie haben schon den Wochenendeinkauf, Wäsche und andere Kleinigkeiten erledigt, so dass uns viel Zeit für uns bleibt. Wir haben wieder viel zu lange miteinander telefoniert aber das Bedürfnis ist so groß!
Ein letzter Anruf:
"Ich bin unterwegs, brauche noch 2 ½ Stunden. Ich freue mich auf Euch. Bis gleich..."

